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Ein Tag im Leben einer Fast-Fashion-Jeans

Indien, 8 Uhr morgens an einem Donnerstag im Dezember: Produktionsbeginn

Nach einer schlaflosen Nacht starten die Baumwollblüten etwas angeschlagen in den Tag. Für ein Kilo brauchbarer Fasern brauchte es bis zu 20.000 Liter Wasser1 (das entspricht der Menge an Wasser, die erforderlich ist, um eine Jeans 400 Mal zu waschen), etliche Pestizide und sechs bis acht Monate. Und das ist gerade mal der Anfang der Jeans-Produktion: Die Baumwolle hat noch einen sehr langen Weg vor sich, bevor sie als stylishe Fast-Fashion-Jeans in einem Store hängt.

Pakistan, 9 Uhr morgens an einem Dienstag im Dezember: Die Baumwolle wird zu Garn

Ein letztes Mal bewundert die Baumwolle die riesige Anbaufläche, die einst ihr Zuhause war und einen Teil der 35 Millionen Hektar ausmacht, die dem weltweiten Baumwollanbau gewidmet sind, bevor sie über die Grenze ins benachbarte Pakistan transportiert wird. Hier sorgen große Maschinen, Fabrikarbeiter und Chemikalien2 dafür, dass die Baumwolle gereinigt und zu Garn verarbeitet wird. „Ich sehe schlanker aus“, freut sich der Baumwollstoff über seine neue straffere Struktur.

Pakistan, 10 Uhr morgens an einem Freitag im Januar: Das Garn wird zum Gewebe

Ein Tauchbad in chemischen Substanzen war nicht das, was das Baumwollgarn für diesen Morgen vorgesehen hatte. „Diese neumodischen Entgiftungsbehandlungen sind nicht das Gelbe vom Ei“, erklärt das Baumwollgarn leicht verärgert.  Doch nach einer Weile muss es zugeben, dass der neue Indigo-Blauton ziemlich cool aussieht. Die chemische Substanz, die den Indigofarbstoff an die Fasern bindet, gelangt zwar in die Wasserwege2, aber Schönheit hat nun mal ihren Preis, nicht wahr? Ohne großartig über Slow-Fashion-Alternativen nachzudenken, wird das Garn zu Gewebe gewebt und anschließend nach Xintang, der chinesischen Hauptstadt für Jeans, transportiert.

China, 12 Uhr mittags an einem Montag im Januar: So werden Jeans hergestellt

„Ich bin angekommen“, freut sich das Baumwollgewebe und beginnt zu husten. Es hätte nie gedacht, dass Erfolg derart bitter riecht. „Zum Glück habe ich keine Lungen“, denkt es, während es darauf wartet, in ein brandneues Fast-Fashion-Kleidungsstück verarbeitet zu werden. Die Fabrikarbeiter, die ihm bei der Verwirklichung seines Traums helfen, scheinen sich nicht ansatzweise über die unzähligen Stunden zu freuen, die in die Herstellung einfließen. Sie arbeiten jedoch fleißig, und das Baumwollgewebe verwandelt sich in kürzester Zeit in eine stilvolle Fast-Fashion-Jeans.

Österreich, 13 Uhr an einem Freitag im Januar

Die Jeans begibt sich auf ihre letzte lange Reise: zwei LKWs, ein Schiff und ein Flugzeug. Nach 14.000 Kilometern3 (das ist der Durchschnitt für eine Fast-Fashion-Jeans) endet die lange Reise der Jeans. Sie ist überglücklich, endlich in einem Store in Österreich angekommen zu sein. Sage und schreibe 1,25 Milliarden Jeans werden jedes Jahr4 auf der ganzen Welt verkauft und sie alle freuen sich sehr, in zu sein. „Mama wäre stolz“, denkt die Jeans, als eine nach Zitrusfrüchten duftende Fashionista sie anprobiert.

Nachwort

Das Leben nach dem Store ist herrlich. Doch die Fast-Fashion-Jeans prüft regelmäßig ihre Nähte. Sie weiß genau, dass ein Kleidungsstück im Durchschnitt lediglich 3,3 Jahre hält, bevor es weggeworfen wird5. Verzweifelt fragt sie Google: „Wie bleibe ich jung“ und „5 Tipps, damit meine Frau nicht das Interesse verliert“. Sie findet mehr über die Auswirkungen von Fast Fashion heraus und hat Gewissensbisse. Sie entdeckt Slow Fashion und erkennt, dass es niemals zu spät für Veränderung ist. Das Leben einer Jeans wird deutlich verlängert, wenn sie mit dem richtigen Waschmittel gewaschen wird. Außerdem erkennt sie, dass die Reparatur von Kleidungsstücken nicht nur deren Lebensdauer verlängert, sondern auch die Umwelt schont. „Kennst du Kintsugi?“, fragt sie ihre Besitzerin und ist zuversichtlich, dass es niemals zu spät für einen Wandel ist: #RethinkNew.

Image credits:
Header image: Getty Images
Image of cotton field: Shutterstock
Image of inside the factory: Getty Images
Image of cotton yarn spinner: Shutterstock
Image of factory workers making denim: Getty Images
Image of retail shop: Stocksy

Sources:
1. World Water Day: the cost of cotton in water-challenged India
2. The Environmental and Human Cost of Making a Pair of Jeans
The logical Indian

3. Die Zahlen stammen aus mehreren Quellen, unter anderem aus:
The Supply chain for jeans: assessing transport and energy consumption
(Michael Browne, Julian Allen, Transport Studies Group, University of Westminster, London, UK)
Energy Consumption in the UK Jeans Supply Chain (Transport Studies Group, University of Westminster)
4. Denim Jeans Industry Market Analysis
5 Valuing Our Clothes: the cost of UK fashion

 

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